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31. Mai 2011
Ratgeber: E-Books: Ein Kindlespiel? Bild vergrößern 680 440 http://img4.magnus.de/image-r680x440-C-764ca6fb-46269036.jpg © Oyo / Thalia, Amazon, Apple, Sony
© Oyo / Thalia, Amazon, Apple, Sony
Ratgeber

E-Books: Ein Kindlespiel?

Deutschland ist ein Entwicklungsland. Zumindest was die Verbreitung von E-Books angeht. Seit Ostern mischt auch Amazon im deutschen E-Book-Geschäft mit: Der hauseigene E-Book-Reader Kindle ist in Deutschland verfügbar, im dazugehörigen Shop lassen sich mehr als 650.000 E-Books herunterladen, darunter 26.500 Titel auf Deutsch. Wir haben den Kindle getestet und mit zwei weiteren elektronischen Lesegeräten verglichen: dem Oyo Reader und dem Sony PRS-350 Pocket Edition.

Bei Handhabung und Lesbarkeit ist der Kindle im Vorteil. Das Display ist brillant und reaktionsschnell, die Navigation intuitiv. Die Konkurrenz von Sony und Oyo hat das Nachsehen. Allerdings gibt es den Kindle nur mit englischer Bedienoberfläche.

Kindle und Oyo Reader sind mit W-LAN-Funktion ausgestattet: E-Books können direkt aus dem Internet auf die Geräte geladen werden. Für den Sony Pocket Reader müssen die Dateien auf dem Rechner gespeichert und per USB übertragen werden. Der Kindle ist gegen Aufpreis mit einer UMTS-Karte ausgerüstet. Ohne weitere Kosten lassen sich über das Mobilfunknetz weltweit und jederzeit im Amazon-Shop E-Books kaufen, die sofort auf den Kindle übertragen werden.

Bei den verfügbaren Titeln hat Amazon insgesamt die größte Auswahl, bei deutschsprachigen Titeln ist die Konkurrenz ebenbürtig. Neun der zehn ersten Titel auf der aktuellen "Spiegel"-Bestsellerliste sind bei Amazon und bei anderen Anbietern erhältlich. Übrigens: E-Books kosten zwar weniger als gebundene Ausgaben, unterliegen aber der Buchpreisbindung. Sie sind überall gleich teuer.

Im Land der Dichter und Denker fristen elektronische Bücher derzeit noch ein Schattendasein. Im Jahr 2010 machten sie nur 0,5 Prozent des Buchmarktes aus. Aber: "Die deutschen Verlage vergrößern ihr Angebot und forcieren die Digitalisierung", gab man sich beim Börsenverein Deutscher Buchhandel in einer Anfang März vorgestellten Studie optimistisch.

"Mit der Einführung des Kindle in Deutschland kommt weiter Bewegung in den E-Book-Markt. Das tut dem Medium E-Book gut, weil es die Aufmerksamkeit und Akzeptanz für neue Lesemöglichkeiten steigert", begrüßte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, diesen Schritt.

Ungetrübt ist die Freude jedoch nicht: "Als Vertretung für die Buchhandlungen und Verlage Deutschlands favorisieren wir allerdings offene Formate, die auf alle Geräte übertragbar sind. Das ist beim Kindle nicht der Fall. Verbraucherschutz und Datenschutz sollten dabei gewährleistet sein. Das bedeutet, die Nutzer müssen dauerhaft über ihre elektronische Bibliothek verfügen können und diese auch auf andere Endgeräte übertragen können", fügte Skipis auf Nachfrage hinzu und wies auf das größte Problem des Kindle hin.

Denn obwohl das Lesegerät technisch im Moment Maß aller Dinge ist: Wer sich für den Kindle entscheidet, bindet sich automatisch an Amazon. E-Books werden in Deutschland in verschiedenen Formaten (zum Beispiel EPUP, PDF, Mobipocket) veröffentlicht, die von vielen Lesegeräten unterstützt werden. Außer dem Kindle, der nur mit einem speziellen Amazon-Format funktioniert. Kindle-Bücher lassen sich auch nicht auf andere E-Book-Reader übertragen.


Immerhin hat Amazon eine kostenlose und einfach bedienbare Kindle-App veröffentlicht, die iPhone, iPad, iPod touch, PC, Mac, BlackBerry und android-basierte Endgeräte unterstützt. Pressesprecherin Veronika Merkle erklärte dazu: "Bücher, die einmal im Kindle Store gekauft wurden, werden automatisch online in der Kindle Bibliothek auf Amazon gespeichert, von wo sie jederzeit kostenlos wieder heruntergeladen werden können."

Außerdem biete das Kindle Format, so Merkle weiter, Funktionen wie "Whispersync": "Dadurch wird automatisch die zuletzt gelesene Seite auf allen Geräten synchronisiert, sodass man immer genau dort weiterlesen kann, wo man zuvor aufgehört hat." Allerdings geht auf iPad und Co. der große Vorteil der E-Book-Reader verloren: die Lesbarkeit. Die Geräte funktionieren mit elektronischem Papier, einem speziellen Display, mit dem das elektronische Lesen erst angenehm wird.

Elektronisches Papier besteht aus zigtausenden Mikrokapseln, in denen Farbpigmente in einer leitfähigen Flüssigkeit schwimmen. Über und unter diesen Kapseln sind Elektroden angebracht. Wird Strom angelegt, wandern die Pigmente nach oben - und bilden dann Buchstaben oder Bilder. Die Mikrokapseln werden einzeln mit Spannung versorgt, wodurch eine trennscharfe Darstellung möglich ist. Ein Stromfluss ist nur nötig, wenn die Anzeige geändert werden soll: beim "elektronischen Umblättern" also. Elektronisches Papier reflektiert das Licht wie normales Papier: Es ist kein Hintergrundlicht nötig, wie etwa bei LCD-Displays in Handys und Notebooks, um die Pigmente anzuzeigen. Dadurch sind E-Book-Displays Strom sparend und angenehm lesbar - allerdings nur im Hellen.



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